Experimenta, Heilbronn

Leuchtturmprojekt mit Auszeichnung

Die experimenta in Heilbronn ist das erste Museumsgebäude mit DGNB-Zertifizierung in Platin und Diamant. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen würdigt damit ein Vorzeigeobjekt der Dieter Schwarz Stiftung. Das Science Center ist ein Beispiel für eine perfekte Symbiose aus herausragender Architektur und innovativer Technik.
Im Mittelpunkt des Science Center steht eine stille Schwerkraftkühlung nach dem bewährten Gravivent-System von TTC Timmler Technology. Für die Architekten war diese innovative Klimatisierungstechnik ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem nachhaltigen Vorzeigeprojekt, weil sie im Betrieb kaum Energie verbraucht und am Ende des Produktlebenszyklus vollständig rückgebaut werden kann. Zudem fügt sie sich so in die Architektur ein, dass man sie praktisch nicht sieht.
Die experimenta ist eine Lern- und Erlebniswelt, die um einen spektakulären Neubau erweitert wurde. Bis zu 2.500 Besucher täglich können sich hier auf erfrischende und keinesfalls belehrende Art und Weise weiterbilden. Die Körpertemperatur von größeren Menschengruppen stellt die Klimatisierungstechnik häufig vor eine große Herausforderung. Zumal der Bauherr von Beginn an ein klares Ziel definiert hatte: es sollte nicht nur ein technisch
durchdachtes, sondern vor allem ein ökologisch vorbildliches Gebäudekonzept sein. Und dies nicht nur aus Gründen der angestrebten DGNB-Zertifizierung.

Es war auch der Anspruch der Schwarz Real Estate, durch ein beispielhaftes Gebäudemanagement ein Objekt zu schaffen, das neue Wege aufzeigt und weit über die Region hinaus als Leuchtturmprojekt Vorbildcharakter hat. Mit Drees & Sommer wurde ein führendes europäisches Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen mit ins Boot geholt.
Dabei setzten die Experten auf GraviVent die stille Schwerkraftkühlung von TTC Technology. Die extrem hohen inneren Lasten der Exponate und Medientechnik erfordern ein leistungsfähiges Kühlsystem, das zudem aus architektonischen Gründen weitestgehend unsichtbar sein sollte. In den vier Geschossen stand insgesamt nur eine Wandlänge von 179 Metern für die Bestückung mit den Hochleistungsunits vom Typ AASI.51 zur Verfügung. Die Regelung der Kühler erfolgt nach der Feuchtkugel-Temperatur und wird gleitend gefahren. Die Vorlauftemperatur des Kühlwassers beträgt dabei 15 °C, mit 17 °C wird das Wasser zurückgeführt.

Dieses Temperatur-Delta reicht aus, die vorgegebene Raumtemperatur zu jeder Zeit auf maximal 26 °C zu drücken. »Das System ist höchst energieeffizient, geräusch- und wartungsarm und eignet sich perfekt bei den hohen Wänden der experimenta und dem gewählten Lüftungskonzept«, zeigt sich Projektleiter Jürgen Behringer von Drees & Sommer überzeugt.
Es sind viele Bausteine, die die experimenta zu dem machen, was sie ist: ein rundum vorbildliches Bauwerk. Die Glasfassade sorgt für natürliches Licht; das spart Beleuchtungsenergie. Um Wärme- und Kühllasten möglichst gering zu halten, haben die Engineering-Experten von Drees & Sommer das thermische und tageslichttechnische Verhalten der Fassade optimiert. Eine hohe Behaglichkeit im Gebäude entsteht durch eine Bauteilkühlung in der Decke und einer Schwerkraftkühlung, die mit Wärmetauschern und physikalischen Effekten arbeitet. Durch die Nutzung von Grundwasser in Kombination mit einer Wärmepumpe können beim Heizen 75 Prozent der Wärme aus dem Grundwasser entnommen werden. Beim Kühlen nimmt das Grundwasser die Wärme auf. Somit können durch den Brunnen und die Kühllastreduktion 200 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Mit diesen Techniken unterschreitet das an die Nutzung angepasste Energiekonzept die gesetzlichen Anforderungen deutlich. »Ein ideales Paket, das die Vorteile unterschiedlicher Systeme kombiniert«, sagt Jürgen Behringer von Drees & Sommer.

Die Schwerkraftkühlung sorgt in den Themenwelten, wo Medientechnik, Licht und Exponate für Wärme sorgen, auf perfekte Weise für Kühlung und Luftbewegung. Neben dem kostengünstigen Betrieb zählt die geräuschlose Kühlung zu den wichtigen Produktvorteilen gerade in Lernräumen, wo Konzentration gefragt ist. Dabei war der Designanspruch der Architekten Sauerbruch Hutton, dass Luftdurchlässe rahmenlos – wie eine Wand – weiterhin revisionierbar sind und gleichzeitig genug Luftquerschnitt für das Gravivent-System vorhanden ist. In Absprache mit den Architekten wurde speziell ein KSM-V Rost mit 2,5 Millimeter Stababstand entwickelt, welcher alle Anforderungen erfüllt. Während die Hochleistungs-Units trotz der Sichtinstallation kaum wahrnehmbar sind, entsprechen die filigranen Luftdurchlässe vom Typ KSM-V beschichtet den DGNB-Vorgaben. Sie wurden ebenfalls von TTC Technology konzipiert und gefertigt und garantieren eine harmonische Optik im visuellen Wahrnehmungsbereich.

Location

Heilbronn

Abgeschlossen

2020

Bauherr

Dieter Schwarz Stiftung, Neckarsulm

Architekten

Sauerbruch Hutton, Berlin

Projektmanagement

Drees & Sommer, Stuttgart

Fotograf

Arnulf Hettrich

Verbaute Produkte

GraviVent | Linearroste | Entwässerungsrinnen Innenbereich